|
Meist
sind es die ungewöhnlichen oder auch die einfachen Begebenheiten und
Angewohnheiten aus der Jugendzeit, die einen Menschen im
Erwachsenenalter prägen und begleiten. Wie oft erinnert man sich an
Streitigkeiten mit Klassenkameraden aus der Grundschulzeit oder den
hitzköpfigen Formulierungen eines Freundes, über die man sich noch
Jahre später empören kann. Aber es gibt auch Momente, in denen die
ersten zaghaften Sammelleidenschaften geboren werden.
Die
Aufenauerin Silvia Ruppel-Chamberlin sammelt nicht nur Puppen, sie
lebt mit ihnen. "Als Kind bekam ich von meinen Eltern immer eine.
Puppe an Weihnachten geschenkt, aber meine Brüder hatten die in kürzester
Zeit kaputt gemacht."
Damals wurde die Saat gelegt. Es reifte der Gedanke, sich später
einmal von selbst verdientem Geld Puppen zu kaufen. Und das hat sich
bis heute nicht geändert. Das gesamte Haus ist mit Puppen, Teddybären,
Marionetten und nostalgischen Fotos dekoriert.
Und nicht nur im Innern und an den Fenstern stehen Puppen oder Teddybären,
auch vor dem Haus sind Puppen an Geländer oder Eingangstreppe
platziert. Großes "Thema" ist momentan natürlich Halloween,
Und so stehen Kürbiskopfmann, Hexen und die Puppen parat, um nach den
Fußgängern oder den Autofahrern Ausschau zu halten. Doch die
Faszination, die von dem gesamten Haus mit seiner märchenhaften
Dekoration ausgeht, war nicht von Anfang an so.
Silvia Ruppel-Charoberlin, die vor elf Jahren mit ihrem Ehemann
Jeffery und den vier Kindern das Haus kaufte, erinnert sich: "Das
Haus war damals in einem sehr schlechten Zustand. Es war; ehrlich
gesagt, ein schreckliches Haus." Das Baujahr liegt schätzungsweise
um 1900, und viele Gerüchte rankten um das herunter gekommene
Anwesen. Aus eigener Kraft und dem Willen, ein Heim zu schaffen, wurde
das Hauskomplett in Eigenleistung entkernt, renoviert und
modernisiert. "Es war nicht leicht für Außenstehende zu
verstehen, warum wir gerade dieses Haus kauften. Aber wir sahen von
Anfang an das große Potenzial, das nach einem Umbau und einer
Renovierung möglich war", erklärte Ehemann Jeffery.
Das Gerede über das Haus habe sie anfangs schon nachdenklich
gestimmt, aber nichtsdestotrotz, machte sich die Familie ans Werk und
begann mit den schweißtreibenden Renovierungsarbeiten, um Platzür
die Familie zu schaffen - und die Puppen.
Zu jeder Puppe gibt es eine kleine Geschichte zu erzählen. Bei
insgesamt 130 Puppen käme so ein ziemlich dickes Märchenbuch
zustande; Ruppel-Chamberlin erinnert sich: "Ich arbeitete zehn
Jahre im Hause der Familie Dr. Peter Schmidt aus GeInhausen. Als die
beiden von meinen Puppen erfuhren, schenkten sie mir an einem
Weihnachtsabend eine wunderschöne Zapf-Puppe".
Nicht nur Ehemann
Jeffery bringt Puppen
oder Teddybären mit nach Hause - auch die eigenen Kinder, Freunde
oder Bekannte wissen, was gewünscht ist.
Selbst
eine Nachbarin kam spontan vom Einkauf mit einer süßen Teddybären-Marionette
zurück, um sie Ruppel-Chamberlin zu schenken.
Ein besonderes Exemplar ist eine kleine Plastikpuppe, die dem Sohn
einer Nachbarin einst vor 55 Jahren selbst gehörte.
Die
Puppen müssten von "Herzen" geschenkt werden, .sonst mag
ich sie nicht wirklich behalten". Also hat jede Puppe im Haus
oder im Fenster ihren Platz. Ebenso spannend, wie die Geschichten der
Puppen selbst, sind Begebenbeiten, die direkt mit demHaus zu tun
haben.
So werde Ruppel-Chamberlin oft danach gefragt, wann denn das
Puppenmuseum geöffnet habe, denn als "Puppenhaus von
Aufenau" sei das Anwesen bis nach Hanau bekannt. Auch mit Steinau
an der Straße und dessen Märchentourismus werde das Haus gern in
Verbindung gebracht. Und viele Menschen kämen aus der
Vogelsberg-Region angefahren, um die Frau Holle zu bestaunen, die
jedes Jahr um diese Zeit aus einem Fensterchen von Ruppel-Chamberlins
Haus schaut.
"Es mag ja für einige kitschig erscheinen, aber mit den Puppen
Leben und Wohnen müssen einzig und allein meine Familie und ich, Und
nur das zählt." Außerdem weiß sie aus eigener Erfahrung zu
berichten: "Der Schlüssel zum Glück liegt doch in der eigenen
Zufriedenheit." Die 46-Jährige sammelt nicht nur
leidenschaftlich gern Puppen, sie wischt auch leidenschaftlich gerne
Staub und macht sauber. "Ich genieße es einfach, mit Liebe das
Haus zu putzen. Ich habe es immer gern gemacht." Und das kommt
natürlich dem Haus und seinen wunderschönen Dekorationen zugute,
denn "schon morgens um, sieben ist meine Wohnung geputzt",
so Ruppel-Chamberlin. Und da lässt sich die energische Frau auch
nicht ins Handwerk pfuschen.
|