Johann Philipp Forstmeister
von Gelnhausen und seine Familie
Das
Geschlecht der Forstmeister von Gelnhausen trat gegen Ende des 12.
Jahrhunderts in das Licht der Geschichte und starb 1814 im
Mannesstamm aus. Sein ständiger Sitz lag in der Vorburg der Gelnhäuser
Kaiserpfalz. Seinen Namen erhielt es durch sein Forstamt über den Büdinger
Reichswald, der zur Burg Garnhausen gehörte. Durch ihre Zugehörigkeit
zur Burgmannschaft traten die Forstmeister in vielerlei Beziehung zu
den umliegenden Gebieten, die zumindest ursprünglich als Königsland
zum Burgbezirk gehörten. Als Ministerialadel ohne bedeutenden
Eigenbesitz waren die Forstmeister auf Einnahmen als Lehensempfänger
und auf solche durch verschiedenste Ämter angewiesen.
Letzteres traf besonders im 18. Jahrhundert für Johann Philipp
Forstmeister zu. Aus meiner Arbeit über das gesamte Geschlecht
erscheint mir die Beschreibung des Lebensweges dieses Mannes und
seiner Familie für die Leser des Jahrbuches aus zwei Gründen
interessant: Einerseits liegen die verschiedenen Wohnsitze der
Familie auf unserem engeren Heimatgebiet - auf der anderen Seite
werden bei der Betrachtung dieser Familie sowohl Höhepunkte wie
auch der beginnende Niedergang des Adelsgeschlechts sichtbar.
Johann Philipp war, wie schon sein Vater, evangelisch. Die
Familienmitglieder beider Konfessionen müssen aber gute Beziehungen
gepflegt haben; denn als Pate des kleinen Johann wird Philipp
Benedikt Forstmeister genannt, der Deutsch-Ordensritter und in Köln
Minister war. Johann wurde 18 Wochen nach dem Tode seines Vaters
Johann Friedrich Forstmeister im Jahre 1681 in GeInhausen geboren.
Seine erste Erziehung genoss er bei seiner Mutter in der Burg
Gelnhausen, dort erhielt er auch Privatunterricht durch die Pastoren
Schott und Sturm. Zu weiterer Ausbildung nahm ihn seine Mutter mit
nach Fulda an das dortige Gymnasium. Danach, besuchte er die
Akademie in Straßburg.
Nach beendetem Rechtsstudium reiste er wiederum zu seinem Paten, der
als Statthalter in Breslau amtierte und ihn an den kurmainzischen
Hof empfahl. Es wurde ihm in Mainz der Charakter eines wirklichen
Kammerherrn und Rats verliehen. In dieser Eigenschaft begleitete er
1711 - also dreißigjährig - den Kurfürsten auf den Kaiserlichen
Wahltag Karls VI. nach Frankfurt und hatte bei der vollzogenen Krönung
die Ehre, im kurfürstlichen Gefolge zu sein. Nach erfolgter Rückkehr
übertrug ihm der Kurfürst die Stelle des Oberamtmannes von Hausen,
die Johann Philipp 1719 antrat und bis zu seinem Tode bekleidete.
Zur Zeit des Amtsantritts Johann Philipps umfasste dieses mainzische
Oberamt die Ämter Orb, Burgjoß und Hausen, sowie die "fuldischen"
Orte Soden-Salmünster, Salz und Ahl. Zum Amt Orb gehörten neben
dem Orber Gebiet das uralte Gericht mit den Gemarkungen der
Ortschaften Wirtheim, Höchst und Kassel sowie das Gericht Villbach
und Lettgenbrunn mit der ehemaligen Burg Beilstein. Das Amt Burgjoß
umfasste Pfaffenhausen, Oberndorf, Burgjoß und Mernes im Joßgrund.
Das ehemalige Gericht Hausen bestand aus der Burg und dem Weiler
Hausen mit Alsberg sowie den genannten Pfandleihen Fuldas an
Kurmainz. In der über zwanzigjährigen Amtszeit des Johann Philipp
Forstmeister im Orber Land waren für den Oberamtmann mitunter umwälzende
Änderungen auf verschiedensten Gebieten abzuwickeln. Einen Verlust
musste das Oberamt im Jahre 1734 hinnehmen, als die Fuldaer
Pfandschaft mit Soden‑Salmünster an das Stift Fulda zurückging.
Dagegen wurde unter Johann Philipp im Jahre 1721 endlich die zweite
Pfandherrschaft über Orb und Wirtheim gebrochen, indem die Erben
des verstorbenen Kurfürsten Joh. Ph. von Schönborn ausgezahlt
wurden. Auf dem Gebiet "Verkehr" waren die Straßen oft
das Sorgenkind Johann Philipps. Ständige Streitereien gab es um das
Geleitrecht auf der Frankfurt‑Leipziger‑Straße, das früher
die von Hutten innehatten, aber auch zum Beispiel um die
Pfortenwachen in Wirtheim wegen der Besoldung durch die Wirtheimer
Allmendeteilnehmer und an der Zollschranke Höchst mit landfremden
Kaufleuten. Mit verständlicher Sorgfalt musste die Kontrolle der
Steuerabgabe an die Kellereien und von diesen
an Mainz durchgeführt werden. Das "Döppenschmittsches
Haus" genannte Gebäude in Orb war die Hauptkellerei des
Oberamtes Hausen. Die Steuerabgaben waren schon damals kompliziert
gegliedert. So stellte, die sogenannte Beth oder Bede eine Art
Grundsteuer dar, daneben gab es zum Beispiel die Abgabepflicht des
"Kleinen Zehnten" in Form von Flachs, Kraut, Gemüse und
Baumfrüchten und die Forderung nach dem "Fruchtzehnten",
von dem auch die Pfarrer jährlich ihre Dotation bekamen. Ein
wichtiges Arbeitsgebiet für den Oberamtmann im bewaldeten Spessart
war der Sektor "Jagd, Holz, Viehmast". Da die Jagd zu
hegen ausschließlich kurfürstliches Recht war, kam es oft zu
Forstvergehen. Bei der Bau- und Brennholzversorgung ergaben sich
besonders zu Beginn des 18. Jahrhunderts Abgrenzungsprobleme
zwischen Gemeinde- und Landeswald. Für den Eckerntrieb wurden
gebietsmäßig Mastordnungen herausgegeben. Die Einfuhr von Nadelhölzern
wurde forciert. Gespann- und Treibdienste waren unter gewissen Umständen
verpflichtend, der Wolfsplage suchte man endlich Herr zu werden, und
1729 brachte die kurmainzische Forstordnung mehr Klarheit in das
Holzverkaufsrecht - Vorgänge, die unter der Oberleitung Johann
Philipps abgewickelt wurden. Auf dem Gebiete der Landwirtschaft gab
es durch Viehseuchen 1734/35 schwere Rückschläge. Auf der anderen
Seite brachte die Einführung der Kartoffel unter Kurfürst Ph. K.
von Eltz einen relativ guten Erfolg, obwohl weite Regierungskreise
der Anpflanzung wegen der nun gefährdeten Einnahmen durch den
"Großen Zehnten" (Getreide) skeptisch gegenüberstanden.
Dem Oberamtmann oblag es auch, die sogenannten Ernteferien
festzulegen; für diese Zeit -etwa drei Wochen- wurden alle Helfer
in Regierungsstellen für die Fruchteinbringung freigestellt. Johann
Philipp hatte auf Anordnung aus Mainz gegen die allzu starke
Zergliederung der Bauernhöfe durch Erbschaften vorzugehen. Daneben
sollte möglichst viel Brachland gewonnen werden. Um 1735 wurde den
Landwirten durch die Einrichtung von speziellen Kreditinstituten
geholfen. Orb und sein Salzreichtum lagen der kurmainzischen
Regierung und ihrem Oberamtmann naturgemäß besonders am Herzen.
Oberamtmann Johann Philipp Forstmeister von Gelnhausen wurde nach
zwanzigjähriger Amtstätigkeit im Jahre 1739 von Kurfürst Karl von
Eltz für würdig befunden, den Titel "Wirklich Geheimer
Rat" zu tragen - gewiss eine Auszeichnung für eine
erfolgreiche Tätigkeit im Oberamt Hausen. Er starb am 5. Oktober
1740 in der Burg Hausen, dem Wohnsitz des Oberamtmannes und seiner
Familie. Diese von Fulda aus einst errichtete Wasserburg zum Schutze
des Klosters Salmünster, von der nur noch Reste bestehen, kam 1540
in kurmainzischen Besitz. Zur Amtszeit Johann Philipps standen längst
der heute noch zu besichtigende sogenannte "lange steinerne
Bau" und die Außenmauern um die Anlage. Von den Wirtschaftsgebäuden
ist heute nichts mehr zu sehen. Zu der Burg gehörte ein Hofgut, aus
dem sich der Weiler Hausen entwickelte. Am Klingbach lag die auch
zur Burg gehörige Hausener Mühle, von der heute keine Spuren mehr
vorhanden sind. An dem heute noch "Brauweiher" genannten
kleinen See stand früher ein Bräuhaus, nicht weit davon ein
Kalkofen - Einrichtungen, die zu Johann Philipp in enger Beziehung
standen.
Begraben
wurde er in Aufenau, denn er war Mitbesitzer der sogenannten
"Herrschaft Aufenau", die die Forstmeister von Gelnhausen
seit dem hohen Mittelalter als Landesherrn über reichsritterliches
Gebiet regierten. Zu der Herrschaft gehörten neben Aufenau auch
Neudorf, Schloß Kinzighausen auf der zwischen diesen Orten
liegenden Kinziginsel (das "blaue Wunder") sowie ein Hain
mit einem Hofgut zum Vogelsberg hin, das aber im 18. Jahrhundert
nicht mehr bestand. Johann Philipps Grab liegt in der alten
Aufenauer Kirche. Leider sind die Familiengräber der Forstmeister
vom heutigen Bestuhlungsboden der Kirche verdeckt. |
|
Verheiratet
war er mit der begüterten Anna Margaretha Elisabeth, geborenen von
Schleifras. Von dem Ehepaar besteht ein Gemälde in der
Ahnenportraitsammlung im Bassenheim-Bornheimischen Archiv im Schloß
Tolesva in Ungarn. Bevor es zum Amtssitz Hausen im Jahre 1719 überwechselte,
bewohnte das jungvermählte Paar das Wirtheimer Schloß. Noch heute
zieht über dem Eingang ein Allianzwappen aus dieser Zeit die Blicke
auf sich: die Wolfsangel mit dem Kreuzfahrerkreuz der Forstmeister
und das Beil mit dem Kesselhaken derer von Schleifras -darüber die
alte Grafenkrone mit Blattwerk. Das sogenannte Schloß war seit dem
15. Jahrhundert mit Unterbrechungen im Besitz der Forstmeister.
Anna Margaretha gebar elf Kinder, vier davon verstarben sehr früh.
Die an. deren -besonders die vier Söhne- stiegen im Laufe der Zeit
zu höchsten Ämtern und Würden auf.
Allerdings wurde das strahlende Bild der Familie durch die Minderung
der Einkünfte auf heimatlichem Boden und die Verschuldung der
Mutter getrübt, nachdem
Johann Philipp verstorben war und Anna Margaretha nach
Kinzighausen in der Herrschaft Aufenau umziehen mußte. Im
Staatsarchiv Darmstadt habe ich viele Dokumente gefunden, die von
den finanziellen Schwierigkeiten der Familie aus dieser Zeit
berichten. Schon 1743 wurde um die Vormundschaft und Erbaufteilung
der sieben Kinder gestritten, da die Mutter noch Schleifrassches Gut
besaß. So bat Anna die Reichsritterschaft um 6000 fl. Vorschub auf
die Schleifrassche Erbmasse zum Ankauf eines Gutes in Gelnhausen und
geriet damit in Feindschaft mit ihren Brüdern. Zu ihren Erben
bestimmte sie nur drei ihrer Söhne. Mit dem ältesten Sohn Franz
Ludwig, als Erbe nicht bedacht, hatte Anna oft Differenzen.
Hauptstreitpunkt dabei war das Fischbornsche Gut, an der Stadtmauer
von Orb gelegen. 1705 war dieses isenburgische Lehen an die von
Boineburg gelangt, 1708 aber an die von Schleifras. Da Franz Ludwig
Forstmeister als zweite Frau eine geborene von Boineburg geheiratet
hat, kann man sich unschwer vorstellen, wie es innerhalb der Familie
Annas zum Streit kam. Ähnlich war die Sachlage um den Besitz des
Hofes Altenburg etwa eine halbe Stunde westlich von Orb gelegen.
Mutter und ältester Sohn führten sogar Prozesse gegeneinander,
wobei die mittelrheinische Ritterschaft eingeschaltet wurde. Es
,liefen aber auch u. a. Prozesse wegen angeblicher Schuldscheine
gegen Anna durch Josepha von Maierhofen und später durch die Wild-
und Rheingräfin Chr. zu Dhaun. Im Staatsarchiv Marburg habe ich
lange Briefe aus der Feder Anna Margarethas entdeckt.
Sie hatte nicht weniger als elf Kinder zur Welt gebracht - und
trotzdem wurde ihr kein Enkel geboren, geschweige denn ein
Stammhalter des Geschlechts der Forstmeister von Gelhausen.
Bernhard
B r ü c k n e r
nach oben
- zurück
|